Beiträge

 

 

In unseren Beiträgen veröffentlichen wir Analysen, Policy Briefs und Stellungnahmen zu Migration und sozialer Gerechtigkeit.
Unsere Beiträge verbinden Forschung, kulturelle Perspektiven und gesellschaftliche Praxis.

Frauen und Kinder zuerst? Die Hierarchie der Vulnerabilität in der Migrationspolitik

25. Februar 2026
B. Sola Claudio

Wer gilt als besonders schutzbedürftig?

Die Antwort scheint auf den ersten Blick selbstverständlich. In Katastrophen gilt seit mehr als hundert Jahren eine moralische Regel: Frauen und Kinder zuerst. Das Bild stammt aus einer anderen Zeit. Man kennt es aus der Geschichte der Titanic und aus der Frage, wer zuerst in die Rettungsboote steigen durfte. Doch bis heute prägt diese Vorstellung unsere Ideen davon, wer Hilfe braucht und wer nicht.

Auch in der politischen Debatte über Flucht und Migration taucht dieses Bild immer wieder auf. In Spendenkampagnen sehen wir Mütter mit Kindern. In politischen Diskussionen gelten Frauen und Minderjährige als besonders verletzlich. Alleinstehende junge Männer hingegen erscheinen häufig als potenzielle Bedrohung oder zumindest als weniger schutzbedürftig. Doch die Realität von Flucht passt nur selten in solche einfachen Kategorien.

Eine aktuelle Untersuchung der UN vom 17. Februar 2026 zeigt mit brutaler Klarheit, wie Gewalt entlang vieler Fluchtrouten organisiert ist. Migranten, Flüchtlinge und Asylsuchende in Libyen sind demnach systematischen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, darunter Folter, Tötungen, sexualisierte Gewalt, Zwangsarbeit und Menschenhandel. Die Analyse des UN-Menschenrechtsbüros und der Unterstützungsmission der Vereinten Nationen in Libyen beschreibt ein System, in dem Migranten von kriminellen Netzwerken entführt, festgehalten und in Haftzentren gebracht werden.

Die Untersuchung basiert auf Interviews mit fast hundert Migranten und Geflüchteten aus sechzehn Ländern und zeigt eindrücklich, dass Frauen auf der Flucht besonderen Formen von Gewalt ausgesetzt sind. Für viele von ihnen bleibt sexualisierte Gewalt auf zahlreichen Fluchtrouten eine reale Gefahr. In migrationspolitischen Diskursen kann diese Perspektive jedoch bestehende Hierarchien der Vulnerabilität verstärken, in denen männliche Geflüchtete dadurch als weniger schutzbedürftig dargestellt werden.

In europäischen Debatten über Migration existiert eine implizite Hierarchie der Schutzbedürftigkeit. Frauen und Kinder gelten als Opfer, junge Männer dagegen häufig als Problem. Dieses Bild prägt nicht nur die öffentliche Wahrnehmung, sondern auch politische Entscheidungen.

Mit dem Aufstieg rechtspopulistischer Parteien in vielen europäischen Ländern werden insbesondere allein reisende männliche Migranten zunehmend als Bedrohung dargestellt. In politischen Debatten und in Teilen der Medien erscheinen sie nicht selten als Problem und weniger als Schutzsuchende.

Dabei zeichnen Daten internationaler Organisationen ein differenzierteres Bild. Ein Bericht der Internationalen Organisation für Migration (IOM) aus dem Jahr 2024 zeigt, dass rund 63 Prozent der jüngsten Ankünfte in Europa allein reisende Männer waren.

Das Migration Observatory der Universität Oxford erklärte 2026, dass Männer häufig allein reisen, weil die Fluchtwege zu gefährlich sind. Familien schicken deshalb oft zunächst einen Sohn oder jungen Vater voraus, in der Hoffnung, dass dieser später Angehörige nachholen kann.

Trotzdem werden Geflüchtete, insbesondere junge Männer, in vielen europäischen Ländern zunehmend zum politischen Sündenbock gemacht. Rechtspopulistische Akteure inszenieren Migration regelmäßig als Sicherheitsbedrohung. So erwähnte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán wiederholt, Migration bringe „Kriminalität und Terrorismus“ nach Europa und gefährde die Sicherheit europäischer Gesellschaften. Auch der AfD-Politiker Björn Höcke behauptete 2018 in einer Rede, Deutschland habe sich durch Migration „zum Paradies für Kriminelle und Terroristen entwickelt“.

Der „gefährliche migrantische Mann“ ist so zu einer zentralen Figur europäischer Migrationspolitik geworden.

Dabei zeigen wissenschaftliche Studien ein anderes Bild. Eine Untersuchung des deutschen Wirtschaftsforschungsinstituts IFO aus dem Jahr 2025 fand keinen Zusammenhang zwischen steigender Migration und höheren Kriminalitätsraten, auch nicht bei schweren Gewaltverbrechen.

Die Vorstellung, Männer seien grundsätzlich weniger verletzlich, ist ein Mythos, der tiefe kulturelle und politische Wurzeln hat.

Feministische Forschung hat seit langem darauf hingewiesen, dass gesellschaftliche Vorstellungen von Männlichkeit eng mit Erwartungen von Stärke, Selbstkontrolle und Unverletzbarkeit verbunden sind. Autorin bell hooks argumentierte etwa, dass patriarchale Gesellschaften Männer dazu sozialisieren, Verletzlichkeit zu unterdrücken und emotionale Härte als Zeichen von Männlichkeit zu verstehen. In ihrem Buch The Will to Change beschreibt sie diese Dynamik als Teil eines Systems, das Männer dazu zwingt, Stärke zu performen und gleichzeitig ihre eigenen Erfahrungen von Schmerz und Verwundbarkeit zu verdrängen.

Auch philosophische Arbeiten haben darauf hingewiesen, dass Verletzlichkeit politisch ungleich anerkannt wird. Judith Butler argumentiert in Frames of War, dass gesellschaftliche und politische Ordnungen bestimmen, wessen Verletzlichkeit sichtbar wird und wessen Leid kaum Beachtung findet. Manche Körper erscheinen dadurch als schützenswert, während andere kaum als verletzlich wahrgenommen werden.

Für rassifizierte Männer verstärken sich diese Erwartungen zusätzlich. Der antikoloniale Denker Frantz Fanon beschrieb bereits in den 1950er Jahren, wie koloniale und rassistische Strukturen nicht-weiße männliche Körper zugleich als gefährlich und als übermäßig stark markieren. Der „koloniale Blick“, so Fanon, konstruiert den anderen Mann als potenziell bedrohlich – als jemanden, dessen Körper kontrolliert werden muss.

Diese Logik wirkt bis heute nach.

In europäischen Debatten über Migration verschränkt sich das Bild des „gefährlichen migrantischen Mannes“ häufig mit sicherheitspolitischen Narrativen über Terrorismus oder Kriminalität. Besonders muslimische Männer werden dabei nicht selten pauschal durch islamophober Diskurse in der Politik oder im Alltage mit Gewalt oder Radikalisierung assoziiert. In politischen und medialen Diskursen wird diese Verbindung immer wieder reproduziert. Wenn männliche Geflüchtete primär als potenzielle Täter wahrgenommen werden, geraten ihre eigenen Erfahrungen von Gewalt und Verwundbarkeit aus dem Blick.

Dabei berichten humanitäre Organisationen seit Jahren von einer anderen Realität. „Es gibt eine enorme Dunkelziffer sexualisierter Gewalt gegen Männer“, sagt Annika Vater von Ärzte ohne Grenzen in Belgien. Viele Männer hätten auf der Flucht Folter oder sexuelle Gewalt erlebt. Über solche Erfahrungen sprechen Betroffene jedoch oft nicht, aus Scham, aus Angst vor Stigmatisierung und wegen gesellschaftlicher Erwartungen an Männlichkeit.

Vulnerabilität folgt daher nicht immer den Kategorien, die politische Debatten nahelegen. Sie entsteht vielmehr dort, wo Menschen durch politische Entscheidungen und rechtliche Unsicherheit in Situationen extremer Abhängigkeit geraten.

Auch nach der Ankunft in Europa verschwinden diese Risiken nicht automatisch. Alleinstehende männliche Geflüchtete sind häufiger von Obdachlosigkeit betroffen, geraten leichter in prekäre Arbeitsverhältnisse und stehen stärker unter dem Verdacht der Kriminalität. Diese Wahrnehmung führt in vielen Fällen auch dazu, dass sie häufiger polizeilichen Kontrollen ausgesetzt sind und dadurch eher Opfer polizeilicher Gewalt werden. Gleichzeitig erhalten sie oft weniger Zugang zu Unterstützungsprogrammen, weil sie nicht als besonders vulnerabel gelten.

Die Vorstellung klarer Kategorien von Schutzbedürftigkeit kann daher selbst zu einem Problem werden.Denn Vulnerabilität ist keine feste Eigenschaft bestimmter Gruppen. Sie entsteht dort, wo politische Entscheidungen, rechtliche Strukturen und konkrete Lebenssituationen Menschen verletzlich machen.

Wenn Menschen gezwungen sind, gefährliche Fluchtrouten zu nutzen, entstehen erhebliche Risiken, wenn auch in unterschiedlichen Formen. Doch diese Formen von Vulnerabilität lassen sich nicht einfach gegeneinander aufrechnen.

Die eigentliche Frage lautet daher nicht, welche Gruppe grundsätzlich am verletzlichsten ist. Die wichtigere Frage ist eine andere: Welche politischen Entscheidungen führen dazu, dass Menschen in solche Situationen geraten? Und welche rechtlichen Lücken ermöglichen oder verstärken diese Verletzlichkeit? Solche Strukturen entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie sind auch eine Folge politischer Entscheidungen. Solange Grenzpolitik vor allem auf Abschreckung ausgerichtet ist, entstehen Situationen, in denen Menschen erhöhten Risiken von Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt sind. In solchen Kontexten wird Vulnerabilität nicht nur sichtbar, sondern auch produziert.

Die entscheidende Frage lautet daher weniger, wer zuerst gerettet werden sollte. Wichtiger ist, warum politische und rechtliche Strukturen überhaupt Situationen hervorbringen, in denen darüber entschieden werden muss, wessen Leben als besonders schützenswert gilt. Denn Vulnerabilität entsteht nicht einfach. Sie ist vielmehr das Ergebnis politischer und rechtlicher Ordnungen.

Migration & Digital Surveillance in the EU

Switzerland’s Role in the European 'new' Migration Policy

1 March 2026

Across Europe, migration governance is increasingly shaped by the expansion of return and deportation infrastructures. While public debate often focuses on asylum recognition rates or border crossings, less attention is paid to the technological and administrative systems that underpin removal procedures. Yet it is precisely in this area that significant structural changes are taking place.

Although Switzerland is not a member of the European Union, it is closely integrated into the European migration architecture through its participation in the Schengen and Dublin systems. Developments in EU return policy therefore have direct relevance for Swiss authorities, particularly in the fields of biometric registration, data exchange and cross-border cooperation.

European statistics illustrate a persistent gap between removal orders and effective returns. Each year, hundreds of thousands of individuals across the EU are formally ordered to leave, but only a fraction are effectively returned. Similar patterns are visible in Switzerland, where removal decisions often exceed the number of completed returns. These figures reflect not only administrative challenges but also the legal safeguards embedded in European and Swiss law. Identification difficulties, lack of travel documents, judicial appeals and non-cooperation by countries of origin all limit enforcement capacity.

In response, European reform efforts increasingly focus on improving identification procedures and strengthening digital infrastructures. Biometric databases such as Eurodac, the Schengen Information System and the Visa Information System have expanded significantly over the past decade. Interoperability between these systems allows authorities to cross-check data more efficiently and to link previously separate information channels.

Switzerland participates in several of these systems and contributes data to them. As digital integration deepens at the European level, Swiss authorities inevitably operate within this interconnected framework. This raises important constitutional questions. Biometric data constitute particularly sensitive personal data under Swiss law. Their storage, transfer and expanded use must satisfy strict requirements of necessity and proportionality under the Federal Constitution and the revised Federal Act on Data Protection.

Administrative detention remains another central component of return policy. Both European and Swiss law permit detention in order to secure removal, but only under clearly defined conditions. 

The European Convention on Human Rights and Swiss constitutional jurisprudence require detention to remain a measure of last resort, individually justified and limited in duration. Technological monitoring tools and digital identification systems may increase administrative efficiency, but they do not alter the underlying legal standards governing deprivation of liberty.

A further development concerns cooperation with third countries. European migration governance increasingly relies on readmission agreements and operational partnerships beyond EU territory. Switzerland similarly maintains a network of readmission agreements and migration partnerships. Such cooperation is legally complex. The principle of non-refoulement, enshrined in the Refugee Convention and the European Convention on Human Rights, obliges states to ensure that individuals are not returned to situations of serious harm. Responsibility does not disappear when enforcement activities involve external partners.

At the same time, migration management has become technologically intensive. Public authorities rely on private contractors for data systems, biometric technologies and logistical services. This does not in itself undermine legality, but it heightens the importance of transparency, procurement oversight and democratic accountability. Enforcement infrastructures must remain subordinate to constitutional principles, not the other way around.

Return procedures are a recognised component of migration law. The central issue is not their existence, but their implementation. As European systems become more digitally integrated and operationally coordinated, Switzerland faces the task of ensuring that participation in these frameworks remains fully aligned with its constitutional guarantees of personal liberty, data protection and access to effective remedies.

Policy Brief

Deportation Governance, Surveillance and Fundamental Rights: Implications for Switzerland

1 March 2026

Executive Summary

Although Switzerland is not a member of the European Union, it is closely integrated into the European migration regime through its participation in the Dublin and Schengen systems. Developments in EU return and deportation policy therefore have direct practical and legal relevance for Swiss migration governance.

Recent reforms at the European level indicate a broader trend toward:

  • expanded enforcement powers
  • increased reliance on biometric and digital systems
  • enhanced cross-border data exchange
  • deeper cooperation with third countries
  • This brief outlines the implications of these developments for Switzerland and highlights key legal and institutional considerations.

1. Switzerland in the European Migration Architecture

Switzerland participates in:

  • the Dublin system (allocation of responsibility for asylum claims)
  • the Schengen Information System (SIS)
  • Eurodac (fingerprint database for asylum seekers)

As a Schengen-associated state, Switzerland is required to adopt relevant developments in these systems.

This means that expansions in interoperability, biometric registration, and data-sharing frameworks at EU level may directly affect Swiss authorities, including the State Secretariat for Migration (SEM) and cantonal migration offices.

2. Biometric Data and Interoperability

  • European reforms increasingly rely on interoperability between databases such as:
  • Eurodac
  • SIS
  • VIS

Switzerland participates in several of these systems. The expansion of data categories and access rights raises questions under:

the Swiss Federal Constitution (Art. 13 – protection of privacy)

the Federal Act on Data Protection (revDSG)

international human rights obligations

Biometric data are highly sensitive. Their long-term storage, expanded use beyond original purposes, and cross-border transfer require strict proportionality assessments.

A key issue for Switzerland is ensuring that technological integration does not erode constitutional guarantees of data protection and procedural fairness.

3. Detention and Removal Practices

Swiss law permits administrative detention in the context of removal procedures under the Foreign Nationals and Integration Act (AIG/FNIA).

Under:

Article 5 ECHR

  • Swiss constitutional protections of personal liberty
  • Federal Supreme Court jurisprudence
  • detention must remain:
  • proportionate
  • individually justified
  • limited in duration

If European return practices increasingly emphasise detention efficiency and digital monitoring, Switzerland must carefully assess whether adopting similar models aligns with domestic constitutional standards.

Technological surveillance tools cannot replace the requirement of individualized legal assessment.

4. Externalisation and Third-Country Cooperation

European migration governance increasingly relies on cooperation with third countries in North Africa and elsewhere. Switzerland also engages in migration partnerships and readmission agreements.

Key legal questions include:

  • How is compliance with the non-refoulement principle guaranteed?
  • What monitoring mechanisms exist for return cooperation?
  • How transparent are operational agreements?

As a state bound by the Refugee Convention and the ECHR, Switzerland remains responsible for ensuring that removal practices do not expose individuals to inhuman or degrading treatment.

5. Governance and Accountability

Migration management is becoming more technologically complex. Private-sector actors supply digital infrastructure, biometric tools, and surveillance systems.

For Switzerland, this raises governance questions:

  • Are procurement procedures sufficiently transparent?
  • Is parliamentary oversight adequate?
  • How are conflicts of interest avoided?

Democratic accountability becomes particularly important where administrative decisions directly affect liberty and fundamental rights.

6. Policy Considerations for Switzerland

To ensure alignment with constitutional and international obligations, Swiss policymakers should:

  • Strengthen oversight of biometric data processing
  • Ensure strict adherence to proportionality in detention practices
  • Maintain transparency in external migration cooperation
  • Safeguard effective access to legal remedies
  • Conduct human rights impact assessments when adopting new digital tools
  • Switzerland’s participation in European migration systems does not diminish its independent constitutional responsibilities.
From Protection to Participation: 

Asylum, Civic Space and Refugee-Led Action in Switzerland and Europe

1 February 2026

Across Europe, asylum policy is increasingly framed as a question of border control, deterrence and administrative efficiency. From the reform of the Common European Asylum System to tightened national procedures, the dominant narrative focuses on managing arrivals rather than enabling participation. Yet an often-overlooked dimension of asylum policy is its impact on civic space particularly the civic agency of asylum seekers and refugees themselves.

If civic space is defined as the environment that enables people to organise, express themselves and participate in public life, then asylum regimes are not merely systems of protection. They are also systems that shape and often restrict political voice.

Switzerland: Protection Without Participation?

Switzerland presents an interesting case. Following the 2019 reform of the Asylum Act (AsylG), procedures were significantly accelerated and centralised in federal asylum centres. While the reform aimed to increase efficiency and legal certainty, it also intensified the administrative structuring of asylum seekers’ daily lives.

During the early stages of the procedure, asylum seekers reside in federal centres with limited autonomy. Work restrictions, controlled mobility and highly regulated accommodation structures shape everyday existence. Although these measures are legally justified as procedural necessities, they indirectly affect opportunities for civic engagement.

Participation requires stability, access to networks and the freedom to organise. When residence status is insecure and living conditions are institutionalised, civic engagement becomes structurally constrained.

 

At the same time, Switzerland has a vibrant civil society landscape. Local initiatives, solidarity networks and refugee support organisations actively advocate for rights, inclusion and dignity. In cities like Basel, where international organisations and cross-border mobility shape the urban fabric, questions of inclusion and participation are particularly salient.

The key tension lies here: a country committed to humanitarian principles must confront whether its asylum regime enables refugees not only to be protected, but to become civic actors.

Refugee-Led Initiatives in Europe

Across Europe, refugees and asylum seekers are increasingly organising themselves — forming advocacy groups, cultural associations and political networks. From refugee-led media platforms in Germany to grassroots organisations in Italy and Greece, civic action is emerging even under restrictive conditions.

However, the broader European trend is concerning. Several EU member states have introduced legislation restricting NGO operations, limiting protest rights or criminalising certain forms of solidarity with migrants. When civic space narrows for citizens, it narrows even further for non-citizens.

Refugee participation often remains informal, precarious and dependent on external support. Structural barriers  legal status, economic precarity, language access significantly shape who can participate and how.

Yet these initiatives demonstrate something fundamental: asylum seekers are not passive recipients of protection. They are political subjects.

From Beneficiaries to Civic Actors

Reframing asylum from protection to participation requires a shift in perspective.

First, it requires recognising that civic agency is not contingent on citizenship. Human rights frameworks protect freedom of expression, association and assembly irrespective of legal status.

Second, it calls for policies that reduce structural precarity. Access to language courses, education, employment and stable housing are not only integration measures; they are preconditions for civic engagement.

Third, it requires institutions to listen. Consultative mechanisms, inclusion of refugee voices in policymaking processes and support for refugee-led organisations can transform asylum from a purely administrative procedure into a democratic process.

Why This Matters Now

In an era marked by geopolitical instability, democratic backsliding and polarised migration debates, the question of who belongs to civic space becomes central. If democratic participation is limited to formal citizens, civic space contracts. If it expands to include those seeking protection, democracy deepens.

Switzerland and Europe face a choice: treat asylum as a temporary exception to civic participation — or recognise it as a site where democratic values are tested.

Refugees do not only seek safety. They seek voice, agency and the possibility to shape the societies in which they live.

Ensuring that civic space includes them is not an act of generosity. It is a measure of democratic integrity.


 

Flucht & Feminismus:
Warum Feminismus in der Schweizer Asyldebatte zentral ist

22 January 2026

Die Schweizer Asyldebatte ist geprägt von Effizienz, Beschleunigung und Kontrolle. Seit der Reform des Asylgesetzes 2019 steht die Verfahrensverkürzung im Zentrum – schnellere Entscheide, zentralisierte Bundesasylzentren, klar definierte Fristen. Doch was in der politischen Kommunikation häufig untergeht, ist eine grundlegende Frage: Wie organisieren wir Schutz in einer Gesellschaft, die sich als humanitär versteht?

Eine feministische Perspektive auf Flucht verschiebt den Fokus. Sie fragt nicht nur nach Verfahren, sondern nach Sorge, Verletzbarkeit und struktureller Verantwortung.

Beschleunigung vs. Schutzbedürftigkeit

Das revidierte Schweizer Asylgesetz (AsylG) verfolgt das Ziel effizienter Verfahren. Doch insbesondere für Frauen, die geschlechtsspezifische Gewalt erlebt haben – etwa sexualisierte Gewalt, Zwangsverheiratung oder häusliche Gewalt im Herkunfts- oder Transitland – kann die schnelle Verfahrensführung problematisch sein.

Die Istanbul-Konvention, die für die Schweiz seit 2018 gilt, verpflichtet die Behörden, geschlechtsspezifische Gewalt im Asylverfahren angemessen zu berücksichtigen.

In der Praxis berichten Beratungsstellen jedoch immer wieder von strukturellen Hürden: mangelnde Privatsphäre in Bundesasylzentren, erschwerter Zugang zu unabhängiger Beratung, unzureichende Anerkennung geschlechtsspezifischer Verfolgung.

Hier zeigt sich eine Spannung zwischen administrativer Effizienz und tatsächlicher Schutzgewähr.

Care-Ethik als politischer Massstab

Care-Ethik geht davon aus, dass menschliche Abhängigkeit keine Ausnahme, sondern Normalität ist. Menschen sind verletzlich – und gesellschaftliche Institutionen tragen Verantwortung, diese Verletzbarkeit nicht auszunutzen, sondern abzufedern.

Übertragen auf die Asylpolitik bedeutet das:

Schutz darf nicht minimalistisch verstanden werden.
Nothilfe-Regime, eingeschränkte Sozialhilfe oder Arbeitsverbote schaffen Abhängigkeiten, die besonders Frauen treffen – insbesondere jene mit Betreuungspflichten.

Im Kanton Basel-Stadt, einem urbanen Migrationskontext mit internationaler Ausrichtung, stellt sich diese Frage besonders deutlich. Wie werden Schutzsuchende untergebracht? Welche Unterstützung erhalten alleinstehende Mütter? Wie wird Gewaltprävention institutionell verankert?

Feministische Friedenspolitik beginnt nicht erst in internationalen Konfliktverhandlungen – sie beginnt im Alltag von Institutionen.

Globale Verantwortung, lokale Umsetzung

Die Schweiz versteht sich als humanitäre Akteurin, Sitz internationaler Organisationen und Förderin von Friedensprozessen. Gleichzeitig entscheidet sich die Glaubwürdigkeit dieser Position im Inneren: in Asylunterkünften, in Sozialdiensten, in Verwaltungsverfahren.

Wenn Sorgearbeit – ob institutionell oder privat – überwiegend von Frauen getragen wird, reproduziert eine restriktive Asylpolitik globale Ungleichheiten. Migrantische Frauen werden zugleich als „schutzbedürftig“ adressiert und in prekären Care-Arbeitsmärkten integriert. Diese Ambivalenz ist politisch.

Eine care-orientierte Asylpolitik würde Stabilität vor Prekarität stellen, Selbstständigkeit statt strukturelle Abhängigkeit fördern, geschlechtsspezifische Gewalt systematisch anerkennen, soziale Rechte als Grundlage von Frieden verstehen.

Frieden & soziale Infrastruktur

Frieden ist nicht nur die Abwesenheit bewaffneter Gewalt. Frieden ist die aktive Organisation sozialer Sicherheit, materieller Stabilität und institutioneller Verantwortung.

Gerade in Zeiten zunehmender globaler Krisen – Krieg in Europa, autoritäre Verschiebungen, verschärfte Migrationsregime – zeigt sich, dass Asylpolitik ein Prüfstein demokratischer Reife ist.

Eine feministische Perspektive verbindet internationale Friedenspolitik mit lokaler Asylpraxis. Sie macht sichtbar, dass Schutz kein administratives Verfahren, sondern eine politische Haltung ist.

Und vielleicht ist genau hier der Ausgangspunkt für eine gerechtere Gesellschaft:
bei der Einsicht, dass Sorge keine private Tugend, sondern eine öffentliche Verpflichtung ist.


 

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.